Vertreterinnen und Vertreter des Tierschutzes haben sich heute mit der Landesregierung über den Umgang mit Fundtieren und Animal Hoarding, die Gefährdung von Kleintieren durch Mähroboter sowie über den Entwurf für ein Gefahrtiergesetz ausgetauscht. Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke hatte zur Konferenz in die Potsdamer Staatskanzlei geladen, um über die Stärkung des Tierwohls im Land Brandenburg zu sprechen. Verbraucherschutzministerin Hanka Mittelstädt und Innenminister Dr. Jan Redmann nahmen an dem Austausch teil.

Woidke eröffnete die 3. Tierschutzkonferenz in Brandenburg mit einer klaren Botschaft: „Der Tierschutz ist der Landesregierung und auch mir ganz persönlich ein wichtiges Anliegen. Der Einsatz für die Rechte und das Wohl von Tieren wird maßgeblich vom ehrenamtlichen Engagement getragen. Daher ist es unsere Aufgabe, die Strukturen und Förderungen im Austausch mit den Expertinnen und Experten stetig zu verbessern. Die ersten beiden Tierschutzkonferenzen haben bereits wichtige Erleichterung für Tierheime und amtliche Stellen bewirkt: die Tierschutzförderung wurde erhöht, die Hundehalterverordnung novelliert und die Rasseliste gestrichen. Und auch diesmal haben wir wieder wichtige Themen für den Schutz von Heim- und Wildtieren angestoßen.“

Kampagne: „Dein Einsatz für Igel“

Für den Schutz von Igeln und anderen durch Mähroboter gefährdeten Wildtierarten stellte Verbraucherschutzministerin Hanka Mittelstädt eine Informationskampagne vor, die auf die Kooperation mit Händlern und Herstellern setzt und Gartenbesitzer sensibilisieren soll: „Mähroboter sind in vielen Gärten im Einsatz und erleichtern die Gartenarbeit. Sie stellen aber auch eine ernsthafte Gefahr für dämmerungs- und nachtaktive Wildtiere dar. Ihre Sensoren erkennen Igel und andere Kleintiere nicht zuverlässig, sodass diese verletzt werden können und zum Teil qualvoll sterben. Mit unserer Kampagne wollen wir mehr Bewusstsein für dieses Problem schaffen. Schon einfache Maßnahmen können helfen: Wenn der Mähroboter in der Dämmerung und Nacht pausiert, ist bereits viel gewonnen.“

Das Verbraucherschutzministerium stellt im ersten Schritt ein Info-Plakat „Dein Einsatz für Igel“ zur Verfügung, das Einzelhändler und Baumarktketten, aber auch Kommunen, Vereine und Tierarztpraxen verwenden können, um niedrigschwellig auf das Verletzungsrisiko durch Mähroboter hinzuweisen. Außerdem sollen Hersteller gewonnen werden, um auch direkt mit Informationen auf den Produktverpackungen zu sensibilisieren.

Verbot der Haltung von gefährlichen Tieren

Die Haltung von gefährlichen Tieren, wie giftigen Webspinnen und Skorpionen oder Großkatzen, stellt nicht nur eine erhebliche Gefahr für die Halter und Dritte da, sondern erfolgt selten auch artgerecht. Aus diesem Grund plant die Landesregierung ein Gefahrtiergesetz, das Haltung, Zucht, Vermehrung und Handel dieser Arten künftig verbietet. Ausnahmen von diesem Verbot sollen zukünftig nur mit Nachweis erteilt werden, dass die Haltung der Tiere sachkundig und zuverlässig erfolgt und eine Haftpflichtversicherung für mögliche Schäden abgeschlossen wurde.

Maßnahmen gegen Animal Hoarding

Die Teilnehmenden der Tierschutzkonferenz haben den Aufbau eines Frühwarnsystems und eine stärkere Vernetzung von Veterinärämtern, Gesundheitsämtern, Sozialdiensten und der Polizei vereinbart, um der Problematik des Animal Hoarding zu begegnen. Animal Hoarding bezeichnet das krankhafte Sammeln von Tieren, bei dem Betroffene immer mehr Tiere aufnehmen, obwohl sie weder die räumlichen noch die finanziellen oder gesundheitlichen Voraussetzungen haben, diese angemessen zu versorgen. Häufig liegt bei den Betroffenen eine psychische Störung vor, so dass sie ohne therapeutische Unterstützung nach einer Beschlagnahmung erneut beginnen, Tiere zu sammeln.

Landestierschutzbeauftragte Dr. Anne Zinke: „Die Zahl von Animal Hoarding-Fällen steigt deutlich. Tierleid und Menschenleid sind hier eng verknüpft. Wir wollen alle Stellen, die mit Betroffenen in Kontakt kommen können, für das Problem der krankhaften Tiersammelsucht sensibilisieren. Wenn Pflegekräften, Betreuerinnen oder Betreuern oder sozialpsychiatrischen Diensten bei einem Hausbesuch neben dem Menschen auch das Tierleid auffällt, sollten frühzeitig die richtigen Schritte eingeleitet werden. Tierleid können wir nur wirksam verhindern, wenn das Problem frühzeitig bekannt wird und die betroffenen Tiere und Halter die richtige Hilfe erhalten. Da die Rückfallquote sehr hoch ist, droht ohne Hilfe die Gefahr eines erneuten Sammelns. Wir wollen noch in diesem Jahr einen Runden Tisch ‚Animal Hoarding‘ ins Leben rufen. Unsere Ziele sind Vernetzung, die Entwicklung eines Frühwarnsystems sowie Hinweislisten zum richtigen Verhalten.“

Aufklärung über Umgang mit gefundenen Wildtieren

Fast 90 Prozent der Wildtiere, die in Tierarztpraxen und Wildtierauffangstationen abgegeben werden, sind nicht hilfsbedürftig. Oft sind Menschen und zum Teil auch amtliche Stellen unsicher, wie sie im Umgang mit aufgefundenen, vermeintlich kranken Wildtieren richtig reagieren sollenUm diese Unsicherheit zu verringern, stellt die Landestierschutzbeauftragte Dr. Anne Zinke neue Unterstützungsangebote vor: „Wir werden Informationsmaterialien ´Tier gefunden – Was tun?` landesweit verteilen. Auch ein neues Online-Entscheidungstool soll zukünftig helfen. Mit wenigen Klicks können Finderinnen und Finder dann prüfen, ob ein Tier tatsächlich Hilfe braucht oder in der Natur bleiben sollte. Ziel ist es, Wildtiere zu schützen, unnötige Abgaben zu vermeiden und Pflegestationen zu entlasten.“

Rico Lange, Vorsitzender Landestierschutzverband: „Wir begrüßen das Engagement des Landes Brandenburg für den Tierschutz, das durch die 3. Tierschutzkonferenz gezeigt wird. Die Probleme, aber auch die Handlungsoptionen sind umfangreich. Umso wichtiger ist es, aus den Diskussionen konkrete Handlungen abzuleiten, um so den Tierschutz im Allgemeinen voranzubringen und die Tierschutzvereine im Land zu unterstützen."