Landkreis Havelland - Stadt Nauen - Keine Erklärungen, keine Zahlen, keine Informationen – auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung bei BSH in Nauen am 5. November konnte die Geschäftsführung auch nach vier Wochen Funkstille keine Antworten auf die zahlreichen Fragen der Belegschaft geben, was mögliche Zukunftsperspektiven für ihren Standort und ihre Arbeitsplätze betrifft.
Am 10. Oktober hatte die BSH-Geschäftsführung die Belegschaft ohne jegliche Vorwarnung aus dem Nichts mit der Nachricht konfrontiert, dass ihr Waschmaschinenwerk bis Mitte 2027 geschlossen werden soll. Danach hatte sie die verzweifelten Kolleginnen und Kollegen nach Hause geschickt. Per Pressemitteilung verkündete der Konzern wenige Stunden später, Waschmaschinen statt in Nauen künftig „in anderen europäischen Werken“ produzieren zu wollen, sprich in Osteuropa. Die letzte Stunde der dreistündigen, außerordentlichen Betriebsversammlung hielten die Kolleginnen und Kollegen zwischen 11 und 12 Uhr öffentlichkeitswirksam auf dem Parkplatz vor dem Werk ab.
Auch dort brachten sie ihre Wut und ihre Enttäuschung über das verantwortungslose Verhalten ihrer Geschäftsführung vehement zum Ausdruck. „Nachdem die Kolleginnen und Kollegen im ersten Moment sehr niedergeschlagen waren, sind sie jetzt bereit, für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze zu kämpfen“, so Metaller und Betriebsrat Jörg Schilling. „Wir schreiben hier am Standort schwarze Zahlen. Die Leute haben sich darauf verlassen, dass es unter dem Dach dieser Weltfirma hier eine Zukunft für sie gibt. Jetzt müssen sie Existenzängste haben, dass sie in die Armut fallen.“ Schilling kündigte an: „Wir werden diesen Schließungsbeschluss nicht kampflos hinnehmen. Wir werden geschlossen für den Erhalt unseres Standortes eintreten.“
Anne Borchelt, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Oranienburg-Potsdam, unterstrich, dass die IG Metall fest an der Seite der Beschäftigten stehe. „Das Unternehmen trägt als Arbeitgeber eine große Verantwortung für seine Beschäftigten, für ihre Familien und für die Region. Diese Verantwortung kann es nicht einfach abschütteln, wenn die Profitkurve lockt“, betonte Borchelt.
„Rücksichtslose Profitmaximierung auf dem Rücken der Beschäftigten ist ein skandalöses und verantwortungsloses Handeln, das wir nicht akzeptieren.“ Borchelt erinnerte daran, dass die Belegschaft in der Vergangenheit auf Urlaubstage, Lohnerhöhungen und Tariflöhne verzichtet habe, um den BSH-Standort Nauen zu sichern und das Unternehmen durch schwierige Zeiten zu bringen. Es könne nicht sein, dass die Beschäftigten die Managementfehler der Geschäftsführung ausbaden müssen, so Borchelt. Sie forderte von der BSH-Geschäftsführung „Transparenz statt Schweigen, Zukunftsperspektiven statt Standortschließung, Respekt statt Ignoranz“.
Es gehe jetzt um „den Erhalt der Produktionsarbeitsplätze in Nauen, faire Tarifbedingungen für alle Beschäftigten und echte Alternativen zur Schließung!“ Die BSH wolle jetzt schnelle Termine mit dem Betriebsrat und der IG Metall, schnelle Entscheidungen, erläuterte Borchelt. „Jetzt ist aber nicht die Zeit für Kurzschlusshandlungen, jetzt ist die Zeit für kluge Ideen und einen gemeinsamen Plan“, betonte Borchelt.
„Wir lassen uns nicht treiben. Wir lassen uns nicht überrollen. Wir lassen uns nicht spalten.“ Auch von der Landesregierung forderte Borchelt, jetzt aktiv zu werden. „Nauen darf nicht zum Symbol für den Rückzug der Industrie aus Brandenburg werden.
Wir brauchen Zukunft, nicht Abwicklung“, so Borchelt. Abschließend stellte sie klar: „Wer Nauen schließen will, bekommt es mit uns allen zu tun! Wir sind bereit zu kämpfen – für unsere Arbeitsplätze, für unsere Würde, für unsere Zukunft!“ Hintergrund: Besonders perfide sind die Schließungspläne des Konzerns angesichts der Tatsache, dass das BSH-Waschmaschinenwerk in Nauen das einzige Werk des Konzerns in Ostdeutschland ist – und zugleich das einzige in Deutschland, in dem die Beschäftigten seit Jahrzehnten keinen Tarifvertrag haben.
Bundesweit arbeiten beim Bosch-Siemens-Hausgeräte-Konzern (BSH) rund 16.000 Beschäftigte – unter fairen Flächentarifbedingungen. Seit dem Frühjahr 2025 hatten die IG Metall Oranienburg-Potsdam und die BSH über einen Tarifvertrag und Beschäftigungssicherung für die Kolleginnen und Kollegen in Nauen verhandelt. Zuletzt hatte die BSH-Geschäftsführung die Verhandlungen mehrfach verzögert.



