Brandenburg - Sachsen-Anhalt: Europas größtes Flussrenaturierungsprojekt bringt die Untere Havelniederung Schritt für Schritt zurück zur Natur – für mehr Artenvielfalt, besseren Hochwasserschutz und eine widerstandsfähige Landschaft - Havelaue (Westhavelland) /Berlin - Zurück zur Natur: auf 90 Kilometern soll die Untere Havelniederung bis 2033 naturnah umgestaltet werden. 66,5 Millionen Euro stellen der Bund, die Länder Sachsen-Anhalt und Brandenburg sowie der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) dafür bereit.
Am Montag den 11. Mai hat sich NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger gemeinsam mit Bundesumweltminister Carsten Schneider und Sachsen-Anhalts Landesumweltminister Prof. Dr. Armin Willingmann ein Bild von den Arbeiten vor Ort gemacht.
NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger betonte: „Wer heute an der Havel unterwegs ist, kann erleben, was möglich wird, wenn Menschen einer Landschaft wieder eine Zukunft geben. Die Untere Havelniederung ist nicht nur Europas größte Flussrenaturierung, sie ist auch ein gemeinsames Projekt von Gemeinden, Landnutzerinnen und Landnutzern, Ehrenamtlichen, Behörden und Naturschutz.
Hier vor Ort haben viele Menschen über Jahre hinweg mit Geduld, Vertrauen und großem persönlichen Engagement daran gearbeitet, der Havel wieder mehr Natürlichkeit zurückzugeben. Das verdient große Anerkennung. Denn wo Altarme wieder angeschlossen, Auen belebt und Ufer renaturiert werden, entsteht neues Leben – für seltene Arten, aber auch für die Menschen, die mit diesem Fluss leben.
Die Havel zeigt, dass die Wiederherstellung von Natur kein abstraktes Konzept ist. Sie verbessert ganz konkret den Hochwasserschutz, stärkt die Landschaft gegen Dürre und Hitze und schafft eine lebenswertere Heimat. Genau deshalb ist dieses Projekt ein so wichtiges Signal für Deutschland und Europa: Natur wiederherzustellen bedeutet auch, Zukunft für die Menschen vor Ort zu sichern.“
Bundesumweltminister Carsten Schneider erklärte: „Die Renaturierung der Unteren Havel ist gut für Mensch und Natur: In den natürlichen Überschwemmungsflächen finden Tiere und Pflanzen neuen Lebensraum. Die renaturierte Flussaue stärkt zudem den Hochwasserschutz, als natürlicher Wasserspeicher hilft sie uns in Dürrezeiten und sorgt für bessere Wasserqualität. Die Untere Havelniederung ist Europas bedeutsamstes Flussrenaturierungsprojekt und ein zentrales Praxisbeispiel für die Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung. Dort, wo sich Natur erholen kann, kommt Leben zurück. Wir stärken damit das Netz der natürlichen Infrastruktur, das wir erhalten und für den Klimawandel fit machen wollen.“
„Die Renaturierung der Havel ist für Sachsen-Anhalt ein großer Gewinn“, betonte Landesumweltminister Armin Willingmann. „In Zeiten fortschreitenden Klimawandels kommt es bei uns im Lande verstärkt zu Starkregen- und Hochwasser-Ereignissen, zugleich aber auch häufiger zu Hitze- und Trockenperioden. Die Renaturierung der Havelniederung trägt dazu bei, den Wasserhaushalt angesichts zunehmender Wetterextreme stabil zu halten und fördert darüber hinaus die Artenvielfalt. Jeder Euro in die Renaturierung ist insoweit gut angelegtes Geld für eine lebenswerte und artenreiche Region auch in Zukunft.“
Hintergrund
Die Untere Havelniederung ist das bedeutsamste Binnenfeuchtgebiet in Deutschland. Um den Fluss wieder so naturnah wie möglich zu gestalten, werden unter anderem Deckwerke entfernt und sogenannte Uferverwallungen zurückgebaut. Darüber hinaus soll das unmittelbar angrenzende Hinterland vom Anschluss von Altarmen der Havel sowie der Entwicklung von Auenwald profitieren. Von der naturnahen Gestaltung der Flussniederung können dann in Zukunft Fischarten wie Hecht, Aal und Rapfen, Vögel wie Kiebitz und Flussregenpfeifer sowie Säugetiere wie Biber und Fischotter profitieren. Das Projektgebiet umfasst rund 9.135 ha.
Gestartet war das Naturschutzgroßprojekt bereits im Jahr 2009. Zahlreiche Maßnahmen konnten daher auch schon fertiggestellt werden. So wurden bereits 42 Hektar Auenwald geschaffen und mehrere Altarme der Havel wieder angeschlossen. Für den aktuellen Projektzeitraum von 2022 bis 2033 stehen rund 66,5 Millionen Euro zur Verfügung. 50 Millionen Euro kommen vom Bund, 7,3 Millionen Euro stellt das Land Brandenburg bereit und mit je 4,6 Millionen Euro beteiligen sich das Land Sachsen-Anhalt und der NABU Deutschland.



