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Noch vor wenigen Jahrzehnten erfüllten Badezimmerfliesen lediglich den Zweck eines rein funktionalen Spritzschutzes. Was einst von kleinen Formaten, wenigen Farben und hoher Fugenanteil dominiert war, zeigt sich heute als vielfältige Bühne für Technik, Design und Nachhaltigkeit. Fortschritte in der Fertigung, neue Oberflächen und der Wunsch nach wohnlichem Spa-Charakter verändern Optik und Haptik sichtbar. Gleichzeitig bleiben Hygiene, Sicherheit und Langlebigkeit zentrale Kriterien. Es gibt also genügend Gründe, die Sache näher zu durchleuchten: Ist heute wirklich alles anders?

Die Entwicklung von der Nasszelle zum Wohnbereich

Historisch stand bei Badezimmerfliesen die Pflegeleichtigkeit im Vordergrund: glatte, meist glänzende Oberflächen, häufig in Weiß oder neutralen Tönen, dazu kleinformatige Fliesen mit deutlichem Fugenraster. Ab den 1960er-Jahren kamen in vielen Badezimmern Muster und Farben ins Spiel, die man heute in der Kategorie der ästhetischen Fragwürdigkeiten unterbringen kann. Doch auch die schrillsten Muster folgten nach wie vor dem Grundsatz „sauber, robust, zweckmäßig“.

Mit dem Übergang vom reinen Nutzraum zum persönlichen Wellnessbereich (ab den 1990ern) verschob sich der Fokus. Heute zählen Raumwirkung, Materialanmutung und ästhetische Kohärenz mit dem übrigen Interior. Badezimmerfliesen werden zunehmend als Teil eines Gesamtkonzepts gedacht – von Wandflächen über Boden bis zu Nischen, Waschtischzonen und Duschbereichen.

In Material und Fertigung gab es echte Quantensprünge

Auch modernen Badfliesen sieht man nicht auf den ersten Blick an, wie viel technische Präzision sich dahinter verbirgt. Doch tatsächlich sind sie das Resultat von Fertigungsmethoden, von denen Oma nicht einmal träumen konnte. So eröffneten die Verbreitung von Feinsteinzeug, digitalem Inkjet-Druck und rektifizierten Kanten realistische Stein-, Beton- und Holzoptiken. Dünnere, dennoch stabile Platten und 3D-Oberflächen erweitern das Spektrum an Texturen. Präzise, fugenarme Verlegungen sind ebenfalls längst eine Selbstverständlichkeit.

Doch nicht nur die Optik hat sich dadurch deutlich verändert, die Oberflächen punkten auch mit weiteren Eigenschaften.

  • Rutschhemmende Badfliesen (auch für bodengleiche Duschen),

  • schmutzabweisende Veredelungen und

  • wärmeleitende Fliesen für den Einsatz über der Fußbodenheizung

sind mittlerweile gängiger Standard – und selbstverständlich in jedem Fachhandel zu bekommen.

Fliesendesign in den 2020ern: Groß, ruhig, charakterstark

Ein klarer Trend sind großformatige Fliesen im Bad. Weniger Fugen erzeugen eine ruhigere Optik, lassen kleine Räume größer wirken und unterstützen ein modernes, minimalistisches Erscheinungsbild.

Trotzdem – oder gerade deswegen – ist die Fliesenauswahl für die anstehende Renovierung oder den Neubau so groß wie nie. So bringen Holzoptik Fliesen im Bad optische Wärme in kühle Umgebungen, Stein- und Terrazzo-Optiken indes setzen vor allem haptische Akzente. Beliebt sind insbesondere matte, seidenmatte und strukturierte Oberflächen, die mit ihrer blendreduzierenden Wirkung überzeugen, aber dennoch kein Licht schlucken.

Neben neutralen Naturtönen gewinnen charakterstarke Akzentfarben und grafische Dekore an Bedeutung – gezielt eingesetzt als Nischenrückwand, Duschpaneel oder Band. So entstehen individuelle Lösungen, ohne die ruhige Gesamtwirkung zu stören.

Langlebigkeit und Nachhaltigkeit spielen bei der Planung eine große Rolle

Wer ein Badezimmer plant, denkt in der Regel langfristig. Dementsprechend wichtig sind langlebige Materialien, die gleichzeitig den Anforderungen im Hinblick auf die Energieeffizienz gerecht werden. Tatsächlich ist beides kein Widerspruch – selbst dann nicht, wenn man sich für ganz oder teilweise recyceltes Material entscheidet. Auch der Fliesenkauf bietet also Möglichkeiten für ein nachhaltiges, klimagerechtes Verhalten.

 

Fazit: Ist im Bad von heute also wirklich alles anders?

Das Schema der Möblierung ist ähnlich wie vor Jahrzehnten: Dusche oder Badewanne, Waschtisch und WC sind nach wie vor obligatorisch, genau wie die Fliesen an Wänden und Fußboden. Trotzdem ist der Eindruck im modernen Bad einladender, zudem haben technischer Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz heute einen deutlich höheren Stellenwert als früher. Kein Wunder also, dass das Bad längst zu einem waschechten Wellnessbereich geworden ist.