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Kaum eine Branche steht derzeit so stark im Wandel wie die Automobilindustrie und mit ihr der gesamte Arbeitsmarkt. Die technische Transformation fordert nicht nur neue Berufsbilder, sondern auch Wissen, das vielerorts fehlt. Die Zukunft der Branche hängt jedenfalls maßgeblich von der Fähigkeit ab, sich personell und strukturell neu aufzustellen.

Warum die Transformation am Fachkräftemangel zu scheitern droht

Viele technische Jobs, die heute gefragt sind, gab es vor wenigen Jahren noch gar nicht. Elektromobilität, vernetzte Systeme und automatisierte Abläufe schaffen neue Aufgabenfelder und damit auch neuen Bedarf an Fachwissen. Besonders gesucht werden heute Softwareentwickler, Betriebswirte, IT-Architekten oder Spezialisten für Robotik, E-Antriebe und Batterietechnik.

Gleichzeitig verändern sich klassische Berufe wie Karosseriebauer oder Systemmechaniker grundlegend. Allein 2024 blieben rund 3.400 qualifizierte Stellen für Facharbeiterinnen und Facharbeiter mit Ausbildung unbesetzt und somit sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Bei akademischen Fachkräften sank das Jobangebot dagegen um über 40 Prozent.

Unterdessen gehören neue Berufsgruppen wie Diagnostiktechniker, Ladeinfrastrukturingenieure oder Logistikplaner für Lithiumkomponenten bereits zum Alltag in vielen Betrieben. Doch passende Weiterbildungsangebote fehlen vielerorts. Fachkräfte brauchen ein belastbares Qualifikationsprofil und technisches Grundverständnis, um mit aktuellen Anforderungen Schritt halten zu können. Die Funktionsweise einer Kolbendichtung gehört etwa weiterhin zu den Basisfähigkeiten im Maschinenbau und zeigt, warum die duale Ausbildung unverzichtbar bleibt.

Manche Unternehmen reagieren darauf mit Schulungen im Betrieb, Kursen zum gezielten Weiterlernen oder gefördertem Upskilling. Auch die Zahl der Ausbildungsplätze steigt. 2024 wurde mit über 57.000 neuen Angeboten ein Höchststand erreicht. Doch der Nachwuchs bleibt aus. Vor allem in technischen Berufen mangelt es an qualifizierten Bewerberinnen und Bewerbern.

Strukturbruch mit Folgen für Automobilhersteller und Zulieferer

Im Zeitraum von Juli 2023 bis Juni 2024 waren im Schnitt bereits über 10.000 Fachkräftestellen offen und das trotz schrumpfender Produktionszahlen. Gleichzeitig kündigten die großen Hersteller 20025 den Abbau von etwa 50.000 Jobs an. Besonders betroffen sind VW mit 35.000, Mercedes mit 8.000, Audi mit 7.500 und BMW mit 6.000 Stellen. Gründe dafür sind unter anderem der Nachfragerückgang, steigende Zölle auf US-Märkten und hohe Investitionen in die Elektromobilität, die das Budget zusätzlich belasten.

Für viele Zulieferer ist der Druck kaum noch tragbar. Allein im ersten Halbjahr 2025 mussten 29 größere Betriebe Insolvenz anmelden. Die Krise setzt sich entlang der Wertschöpfungskette fort. Auch im Export schwächelt die Branche und besonders in China verliert die deutsche Automobilindustrie schnell an Boden. 2023 lag die Fahrzeugproduktion bereits 27 Prozent unter dem Niveau von 2014. In Bayern könnten bis 2026 weitere 20.000 Stellen wegfallen.

Zwar greifen in vielen Unternehmen noch Tarifverträge und Sozialpläne, doch der globale Wettbewerbsdruck lässt den Spielraum für Erhaltungsmaßnahmen immer kleiner werden. Der Strukturwandel droht zur echten Belastungsprobe für die gesamte Transformation zu werden.

Wohin steuert der Arbeitsmarkt in der Autobranche?

Der Blick auf das Jahr 2026 zeigt klare Warnzeichen. Die Produktion in der Automobilbranche soll laut Prognosen um 2,7 Prozent sinken. Viele Unternehmen reagieren darauf mit Beschäftigungsabbau, denn es fehlen Aufträge. Gleichzeitig entstehen wie erwähnt neue Jobs, insbesondere in der Batterieproduktion, Logistik sowie in softwaregetriebenen Fertigungsprozessen. Doch das Arbeitskräfteangebot geht deutlich zurück. Ein Drittel der Beschäftigten ist bereits über 55 und die demografische Entwicklung verschärft die Lage.

Fachkräfte wandern zudem vermehrt in sicherere Branchen wie die Rüstungsindustrie ab oder suchen ihr Glück im Ausland. Während der Fachkräftebedarf in Schlüsselbereichen steigt, fehlt es oft an passender Qualifizierung. Fachleute gehen davon aus, dass über 60 Prozent der betroffenen Stellen durch gezielte Umschulung gesichert werden könnten.